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5 Fehler beim Vibe Coding — und wie du sie vermeidest

Code-Editor mit AI-generierten Vorschlägen und Warnsymbolen
DarkWolf Maskottchen KI-Bild Generiert mit Gemini

5 Fehler beim Vibe Coding — und wie du sie vermeidest

Vibe Coding klingt verlockend — Code per Sprachbefehl generieren lassen und sich zurücklehnen. Bis du den Code in Production debuggen musst. Ich nutze AI-Assistenten wie Cursor und Claude Code täglich in meiner Arbeit. Und ich habe jeden einzelnen der folgenden Fehler selbst gemacht — teilweise mehrfach. Dieser Artikel ist das, was ich mir vor einem Jahr gewünscht hätte.

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Was Vibe Coding überhaupt ist

Den Begriff hat Andrej Karpathy im Februar 2025 geprägt. Sein Workflow: SuperWhisper für Spracheingabe, Cursor als IDE, Claude Sonnet als Modell. Die Grundidee war radikal — „give in to the vibes, embrace exponentials, and forget that the code even exists.”

Karpathys Punkt war: Für bestimmte Projekte reicht es, der KI in natürlicher Sprache zu sagen, was man will, und den generierten Code zu übernehmen, ohne jede Zeile zu prüfen. Das funktioniert tatsächlich — für Wegwerf-Prototypen und kleine Einmal-Scripts.

Ein Jahr später hat sich der Begriff verselbstständigt. Vibe Coding wird mittlerweile als Synonym für jede Form von AI-gestützter Programmierung verwendet — von der Spracheingabe bis zum simplen Tab-Complete in Copilot. Karpathy selbst sagt inzwischen, der Begriff sei „passé”. Was geblieben ist: die Erwartung, dass KI den Code schreibt und der Mensch nur noch nickt.

Genau da entstehen die Probleme. Wenn du verstehen willst, wie die Modelle hinter diesen Tools arbeiten, lies meinen Artikel Was ist ein LLM? — das hilft, die folgenden Fehler einzuordnen.

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Fehler 1 — AI-Code blind übernehmen

Der häufigste und gefährlichste Fehler. Du gibst einen Prompt ein, bekommst 80 Zeilen Code zurück, der auf den ersten Blick sauber aussieht — und klickst auf „Accept All”.

Ich habe das bei meinem Favoritenportal-Experiment mit Gemini am eigenen Leib erfahren. Gemini hat mir eine Login-Funktion generiert, die technisch funktionierte. Benutzer konnten sich einloggen, die Session wurde gesetzt, alles scheinbar korrekt. Was fehlte: Input-Sanitization. Die Funktion war anfällig für SQL-Injection — und ich hätte es fast in Production übernommen.

Das ist kein Einzelfall. Eine CodeRabbit-Studie von Dezember 2025 hat AI-generierten Code systematisch analysiert:

  • 1,7x mehr Fehler insgesamt als in manuell geschriebenem Code
  • 2,74x mehr Sicherheitslücken — fehlende Validierung, unsichere Defaults, hartkodierte Credentials
  • 75% mehr Logik- und Korrektheitsprobleme — fehlerhafte Geschäftslogik, Fehlkonfigurationen, unsichere Kontrollflüsse

Diese Zahlen kommen nicht daher, dass die Modelle schlecht wären. Sie kommen daher, dass LLMs auf Wahrscheinlichkeiten basieren, nicht auf einem Verständnis von Korrektheit. Der generierte Code sieht richtig aus, weil er statistisch plausibel ist — nicht, weil er geprüft wurde.

Was du stattdessen tun solltest: Behandle AI-Code wie einen Pull Request von einem neuen Kollegen. Lies jede Zeile. Prüfe besonders Authentifizierung, Datenbankzugriffe und Input-Validierung. Wenn du den Code nicht verstehst, übernimm ihn nicht.

Fehler 2 — Zu vage prompten

„Bau mir eine REST-API für User-Management.” Das war einer meiner ersten Prompts, als ich mit Cursor anfing. Was ich zurückbekam: Eine generische Express-App mit Basic Auth, ohne Rate-Limiting, ohne Input-Validierung, ohne Pagination. Technisch eine API. Praktisch unbrauchbar.

Das Problem ist nicht die KI — das Problem ist der Prompt. Je weniger Kontext du gibst, desto mehr muss das Modell raten. Und geraten wird immer in Richtung des statistischen Durchschnitts der Trainingsdaten.

Ein schlechter Prompt:

Bau mir eine API für User-Management mit Login und Registrierung.

Ein guter Prompt:

Erstelle eine FastAPI-Route für User-Registrierung.
Kontext: Python 3.12, FastAPI, asyncpg, PostgreSQL.
Anforderungen:
- Email und Passwort als Input, beide validiert
- Passwort mit bcrypt hashen, min. 12 Zeichen
- Email auf Format und Uniqueness prüfen
- Rate-Limiting: max 5 Registrierungen pro IP/Stunde
- Alle String-Felder mit strip_tags() sanitizen
- Return: 201 mit User-ID, kein Passwort im Response

Der Unterschied: 2 Minuten Aufwand für den Prompt, 20 Minuten weniger Debugging.

Ich nutze dafür die CRTSE-Struktur: Context (Tech-Stack, Projekt), Role (was das Modell tun soll), Task (die konkrete Aufgabe), Standards (Sicherheit, Patterns), Examples (Beispiele aus dem bestehenden Code). Das klingt nach Overhead — spart aber bei jeder Iteration Zeit.

Fehler 3 — Keine Tests für AI-Code

AI-generierter Code hat eine unangenehme Eigenschaft: Er „funktioniert” meistens beim ersten Durchlauf. Der Happy Path ist abgedeckt. Was fehlt, sind die Edge Cases — und genau dort lauern die Bugs, die erst in Production auffallen.

IEEE Spectrum hat dafür den Begriff „Silent Failures” geprägt: Code, der bestehende Safety-Checks entfernt oder umgeht, weil das Modell sie nicht als relevant erkannt hat. Eine Null-Prüfung hier, ein Try-Catch dort — scheinbar kleine Änderungen, die die Fehlerbehandlung aushebeln.

Ein prominentes Beispiel aus März 2026: Bei Amazon führten mehrere Ausfälle zu einem 90-tägigen Code-Safety-Reset für 335 kritische Systeme. Die Zahlen allein beim Vorfall vom 2. März: 1,6 Millionen Fehler und 120.000 verlorene Bestellungen. Amazon stellte öffentlich klar, dass nur einer der Vorfälle überhaupt AI-Tools involvierte — und auch dort lag die Ursache bei einem menschlichen Fehler, nicht beim AI-Code selbst. Das Kernproblem waren fehlende Reviews und Tests, die den Blast Radius hätten begrenzen können.

Was du stattdessen tun solltest: Lass die KI auch Tests schreiben — aber prüfe die Tests genauso kritisch wie den Code. Ein Test, der nur den Happy Path abdeckt, gibt dir falsche Sicherheit. Frag die KI gezielt nach Edge Cases: „Was passiert bei leerem Input? Bei null? Bei 10 Millionen Einträgen?”

ℹ️ Hinweis: Tests sind kein Ersatz für Code-Review. Sie sind eine Ergänzung. AI-generierte Tests testen oft genau das, was die AI implementiert hat — und übersehen die gleichen blinden Flecken.

Fehler 4 — Den ganzen Kontext vergessen

Die KI kennt deinen Tech-Stack nicht. Sie weiß nicht, dass du asyncpg statt SQLAlchemy nutzt. Sie weiß nicht, dass deine API ausschließlich JSON zurückgibt. Sie weiß nicht, dass ihr für DSGVO-Compliance keine externen CDNs laden dürft.

Ohne diesen Kontext generiert das Modell Code, der technisch korrekt ist — aber nicht in dein Projekt passt. Bei mir hat Cursor einmal eine React-Komponente mit Material UI generiert, obwohl das gesamte Projekt Tailwind CSS nutzt. Funktioniert? Ja. Passt ins Projekt? Nicht im Geringsten.

Genau dafür gibt es Projektdateien wie .cursorrules oder CLAUDE.md. Welches Tool am besten zu deinem Workflow passt, hängt von deinem Setup ab — mein Vergleich von Cursor und GitHub Copilot hilft bei der Entscheidung. Diese Dateien beschreiben deinen Stack, deine Konventionen und deine Constraints. Das Modell liest sie als Teil des Kontexts und generiert Code, der zu deinem Projekt passt — statt zum statistischen Durchschnitt aller Projekte in den Trainingsdaten.

Was du stattdessen tun solltest: Pflege eine Projektdatei mit deinem Stack, deinen Patterns und deinen Sicherheitsanforderungen. Referenziere bestehenden Code in deinen Prompts: „Orientiere dich an der Struktur von src/api/users.py.” Je mehr Kontext du gibst, desto weniger musst du nachkorrigieren.

💡 Tipp: Wenn du in deinem Prompt auf bestehende Dateien verweist, kann die KI deren Patterns übernehmen. Das spart mehr Zeit als jede Prompt-Optimierung.

Fehler 5 — Security dem AI überlassen

Dieser Fehler ist der teuerste. AI-Modelle verstehen keine Bedrohungsmodelle. Sie wissen nicht, welche Angriffsvektoren für deine Anwendung relevant sind. Sie optimieren auf funktionierenden Code, nicht auf sicheren Code.

Was ich in der Praxis regelmäßig sehe:

  • Hartkodierte Secrets — API-Keys direkt im Code statt in Umgebungsvariablen
  • Fehlende Input-Validierung — kein Length-Check, kein Type-Check, kein Sanitizing
  • Unsichere Defaults — CORS mit *, Debug-Mode in Production, HTTP statt HTTPS
  • Veraltete Dependencies — die KI kennt nur Versionen aus ihren Trainingsdaten

Das Grundproblem: Wenn du selbst kein Verständnis für Security hast, wird die KI dir nicht dabei helfen. Sie generiert Code, der „funktioniert” — und lässt dabei die Tür für SQL-Injection, XSS oder Path-Traversal weit offen.

Was du stattdessen tun solltest: Nutze eine Security-Checklist für jeden AI-generierten Code. Prüfe mindestens die OWASP Top 10. Setze statische Analyse-Tools ein: Bandit für Python, Semgrep für sprachübergreifende Pattern, Trivy für Container und Dependencies. Automatisiere das in deiner CI-Pipeline — dann fängt das Tool ab, was dir beim Review durchgeht.

Und wenn du AI-generierte Inhalte in deinen Projekten nutzt, denk auch an die Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten — das betrifft nicht nur Bilder.

Wie du Vibe Coding richtig einsetzt

Vibe Coding ist nicht grundsätzlich schlecht. Es ist ein Werkzeug — und wie jedes Werkzeug funktioniert es gut, wenn du weißt, wann du es einsetzt und wann nicht.

Wo AI-Code-Generierung gut funktioniert:

  • Prototypen und Proof-of-Concepts, die nicht in Production gehen
  • Boilerplate-Code, Tests und Datenbank-Migrationen
  • Dev-Tools und One-off-Scripts für den eigenen Workflow
  • UI-Scaffolding — Grundstruktur einer Komponente, die du dann anpasst

Wo du vorsichtig sein solltest:

  • Produktionssysteme mit echten Nutzern
  • Authentifizierung, Autorisierung und alles rund um Security
  • Code, der mit sensiblen Daten arbeitet
  • Komplexe Geschäftslogik, die nur im Kontext deines Projekts Sinn ergibt

Eine METR-Studie von Juli 2025 hat gezeigt, dass erfahrene Entwickler mit AI-Assistenten sogar 19% langsamer waren als ohne — obwohl sie selbst glaubten, 20% schneller gewesen zu sein. Das erklärt sich damit, dass die Zeit, die beim Schreiben gespart wird, beim Reviewen und Debuggen wieder draufgeht. Wer die Review-Phase ernst nimmt, profitiert trotzdem: nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch weniger monotone Arbeit.

Mein Ansatz nach über einem Jahr mit AI-Assistenten: Die KI ist mein Pair-Programming-Partner, nicht mein Ersatz. Ich gebe die Architektur vor, definiere die Constraints und prüfe das Ergebnis. Der Code, der in meine Projekte geht, ist meiner — egal wer ihn geschrieben hat.

Wenn du Cursor, Claude Code und Copilot strukturiert lernen willst — mit Praxis-Projekten und Security-Reviews — schau dir den Kurs AI-gestütztes Programmieren PRO auf der Wolf Academy an.

FAQ - Frequently Asked Questions DarkWolfCave
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Häufig gestellte Fragen

Was ist Vibe Coding?
Vibe Coding ist ein Begriff von Andrej Karpathy (Februar 2025) für einen Coding-Ansatz, bei dem du AI-Assistenten wie Cursor oder Claude Code natürlichsprachlich steuerst und den generierten Code übernimmst, ohne jede Zeile manuell zu schreiben.
Ist Vibe Coding gefährlich?
Nicht grundsätzlich — aber ohne Code-Review und Tests kann AI-generierter Code Sicherheitslücken und versteckte Fehler enthalten. Eine CodeRabbit-Studie von Dezember 2025 zeigt 2,74x mehr Sicherheitslücken in AI-Code.
Welche Fehler passieren beim Vibe Coding am häufigsten?
Die häufigsten Fehler sind: AI-Code ohne Review übernehmen, zu vage Prompts schreiben, keine Tests für AI-Code, fehlender Projektkontext und Security-Aspekte ignorieren.
Wie kann ich AI-Code sicherer machen?
Nutze eine Security-Checklist, prüfe auf OWASP-Top-10-Schwachstellen, setze Tools wie Bandit oder Semgrep ein und reviewe besonders Input-Validierung, Authentifizierung und Datenbankzugriffe.

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